Klingt englisch, ist aber deutsch. Klingt nach einem Magazin, sind aber zwei (oder drei), mit zusammen 272 Seiten. Und es ist eine ziemlich breite Mischung. Der Bandbreite in einem kurzen Blogbeitrag gerecht zu werden, ist kaum möglich. Gar nicht darüber zu reden, wäre aber natürlich auch schade. Hier also erst eine äußerliche Beschreibung und dann meine subjektiven Eindrücke und Meinungen:
Was ist es?
The CrunchFluff Fantastic RPG Magazine (im Folgenden kurz „CrunchFluff“) wurde 2025 im Crowdfunding finanziert. Das Projekt wuchs im Prozess, wodurch es sich am Ende als Kombination zweier Hefte präsentiert: Ein dickes A4-Magazin (184 Seiten, Wendezine, Klebebindung) und ein dickes A5-Heft (88 Seiten, Klammerheftung). Die unpaginierten Umschlagseiten habe ich hier jeweils mitgezählt.
- Die Kinder des Grünen Gnoms (107 Seiten, A4) und
Rewind to Pläi Beck (77 Seiten, A4) - The Adventurer’s Feuilleton (88 Seiten, A5)

Wendezine heißt, dass es nicht von vorn bis hinten durchgeblättert wird, sondern dass man von einem Cover bis etwa zur Mitte liest, dann das Heft umdreht und vom anderen Cover lesen kann. Das Foto oben zeigt in der Mitte das A5-Zine. Links und rechts liegen zwei Exemplare vom Wendezine, um beide Cover zu zeigen.
Disclaimer: Als jemand, der viel Zeit auf alte deutschsprachige Fanzines ver(sch)wendet, wurde ich von Uland Grawe, einem der Redakteure, interviewt und in einem Beitrag vorgestellt.
Meine Rezension bezieht sich auf das A4-Wendezine, dessen Inhalte mich mehr reizen. Das A5-Heft (The Adventurer’s Feuilleton) enthält fünf Abenteuerszenarien, die mich gegenwärtig weniger interessieren.
Wie finde ich es?
Kurz gesagt
Es gibt Teile, die finde ich richtig gut, und Teile, die mir gar nix gegeben haben. Bei so einer Fülle an Material ist das nicht verwunderlich. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass stilistisch ein engerer Fokus gewählt worden wäre.
Ausführlich…
Optisch finde ich das Magazin ansprechend. Die Illustrationen und das Layout ergeben ein stimmiges Ganzes. Das Magazin ist mit viel Hingabe erstellt. Natürlich gibt es hier und da kleinere Fehler – das juckt mich nicht.
Bei CrunchFluff lag mein Interesse von Anfang an auf dem starken Bezug auf alte Rollenspielfanzines der 1980er. Mit Pläi Beck und dem Grünen Gnom stellt das Wendezine in seinen beiden Leserichtungen je ein deutsches Fanzine vor, interviewt Redakteure und Künstler von damals und greift vereinzelt Inhalte der Hefte auf. Darüber hinaus geht es auch allgemeiner um Rollenspiel-Fanzines und -Zeitschriften von damals und heute. Es gibt Beiträge von/Interviews mit Tom Finn, Ulrike Pelchen, Günther Dambachmair, Ralf Sandfuchs und etlichen weiteren Personen, und ein sehr schönes, mehrteiliges Porträt von Christel Scheja. Wegen dieser Inhalte habe ich beim Crowdfunding mitgemacht, und das diesbezügliche Ergebnis gefällt mir sehr gut. Auch die beiden aus der Wissenschaft stammenden Artikel von Adrian Hermann und Kathrin Fischer passen in diesen Rahmen.
Zum Konzept des CrunchFluff-Magazins gehörte aber auch, nicht nur auf das frühe Rollenspielfandom im deutschsprachigen Raum zu schauen, sondern obendrein neues Spielmaterial, Zufallstabellen etc. zu bringen. Und mit diesen Beiträgen konnte ich insgesamt nur wenig anfangen. Das liegt zum Teil daran, dass mir der Schreibstil von Uland, der mehrere dieser Beiträge verfasst hat, zu aufgebauscht und hochtrabend ist.(Als Beispiel kann unten das Zitat aus dem Editorial dienen.) An mehreren Stellen habe ich das Gefühl, dass cooler Klang wichtiger war als eine klare Aussage. Andere Fälle sind mir zu albern. Nichts gegen Albernheit, aber der Spagat zwischen Humor und den Beiträgen, die sich selbst ernst nehmen, ist mir zu groß. Wenn das in verschiedenen Produkten wäre, die jeweils unterschiedliche Tonlagen und Ansprüche verfolgen, würde es mich weniger stören. Aber in dieser engen Kombination hat es mir nicht gefallen, auch wenn es zum erklärten Konzept gehört:
Ich liebe es, mich in Gedanken zu verlieren, die größer sind als ich (und das sind verdammt viele). Philosophische Schleifen, Sinnfragen, der Blick hinter das Offensichtliche. Und genauso liebe ich kindischen Humor – das Alberne, das Banale, das völlig Zweckfreie.
Weder stelle ich mich in die Ecke eines philosophischen Lagers, noch bin ich Teil einer Community kindlicher Banalität. Und erst recht glaube ich nicht an die eine Wahrheit. Perspektivenvielfalt ist unser Narrativ. Ich glaube, dass wir mehr sind als Ernst oder Unsinn. Mehr als Crunch oder Fluff. Wir Rollenspielenden sind beides zugleich – alles dazwischen und noch so viel mehr. Wir schreiten durch die Träume unserer eigenen Wunderwelten.
Genau diese Zwischenräume verkörpert The CrunchFluff.
[…]
Wir hoffen, dass du die folgenden zahlreichen Artikel mit derselben Mischung aus Staunen, Lachen und Nachdenken liest, mit der sie entstanden sind. Lass dich von der Nostalgie verführen, mit der alles begann und ersinne mit uns die Utopie einer neuen Rollenspielszene, deren Zukunft jetzt beginnt. Und nein, kleiner konnte ich nicht enden… (Uland Grawe, Editorial)
Dieser Stil trifft meinen Geschmack einfach nicht. Geschmacksfrage beiseite: Ulands Einsatz hat das Projekt erst möglich gemacht. Und außer ihm sind etliche weitere Autor*innen mit Beiträgen im CrunchFluff vertreten.
Die Bandbreite an Inhalten und die Unterschiedlichkeit der Geschmäcker macht es wahrscheinlich, dass verschiedene Personen im CrunchFluff jeweils etwas finden, dass ihnen zusagt. Aber es ist auch zu erwarten, dass Ihnen einiges nicht gefällt. Bei einem Zeitschriftenheft für wenige Euro wäre das irgendwie ihm Rahmen. Das CrunchFluff kostet in seiner digitalen Form bereits 30 Dollar, gedruckt beim Sphärenmeister fast 60 Euro. (Links siehe unten.)
Die Druckauflage war begrenzt; es gibt auch noch einige Exemplare direkt bei den Machern, denen man dazu emailen soll. Für den Preis hätte ich es für sinnvoller gefunden, stilistisch nicht ganz so unterschiedliche Inhalte zu kombinieren.
Und so bleibt für mich ein gemischter Gesamteindruck: Ein schöner Rückblick auf alte Fanzines und die Menschen dahinter, und ein stilistisch (gewollt) uneinheitlicher Mischmasch von Spielideen. Für mich, der sich für die Produkte, Personen und Entwicklungen im Rollenspiel-Fandom interessiert, lohnt sich der CrunchFluff insgesamt. Eine pauschale Empfehlung kann ich aber nicht aussprechen. Wer sich weiter informieren möchte, sollte sich z.B. anhand der untenstehenden Links ein eigenes Bild machen. Verlinkt sind außerdem itch.io und Sphärenmeister, wenn jemand sich direkt The CrunchFluff Fantastic RPG Magazine besorgen möchte.
Links
https://www.thecrunchfluff.de mit Beispielseiten, drei PDF-Ausschnitten (unter art & culture) und Kontakt über Email, falls man noch ein gedrucktes Exemplar bestellen möchte

